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--- Aus der Forschung ---
Leichter, kostengünstiger und umweltfreundlicher Fliegen mit
„Structural Health Monitoring“
Das Fraunhofer-Institut für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit LBF präsentiert bei der 4.
„Composites Europe“ vom 27. bis 29. Oktober 2009 in Stuttgart ein spektakuläres vier Meter hohes
Exponat - das mit neuester Sensortechnologie ausgestattete SHM Flügel-Mock-Up eines Leichtflug-
zeugs.
Faserverbundwerkstoffe bieten aufgrund ihres Leichtbaupotentials besondere Vorteile im Luftfahrtbereich.
Diese Leichtbauvorteile lassen sich aufgrund des komplexeren Schädigungsverhaltens im Vergleich zu me-
tallischen Werkstoffen nicht immer voll ausschöpfen. In der Luftfahrt stellt etwa der Impact durch Fremd-
körper bei Faserverbundstrukturen ein besonderes Gefahrenpotential dar, begrenzt die Einsatzbereiche
und führt häufig zu großen Sicherheitsfaktoren, die eine gewisse Überdimensionierung erfordern. Sensoren,
die zum Beispiel im Flügel äußerlich nicht sichtbare Strukturschäden frühzeitig erkennen, können den In-
spektionsaufwand reduzieren. Die Betriebssicherheit der Struktur wird durch die Auslegung und Inspektio-
nen in regelmäßigen manuellen Intervallen gewährleistet. Durch ergänzende automatisierbare Überwachung
mit strukturintegrierten Sensoren lassen sich künftig Kosten und Gewicht einsparen.
SHM – Das Nervensystem des Bauteils
Die Grundidee: Structural Health Monitoring (SHM) ist wie das Nervensystem eines Bauteils. Sensoren und
eine Auswerteelektronik registrieren äußere Einwirkungen und spüren Schäden auf.
Vor allem Fremdkörper, wie Hagel- oder Vogelschlag, stellen eine große Gefahr für Flugzeuge dar. Aber auch
Steinschlag durch Splitt auf der Rollbahn oder Schäden durch fallendes Werkzeug bei Wartungsarbeiten kom-
men vor. Bei Faserverbundstrukturen und Sandwichbauweise sind solche Schäden nur selten von außen sicht-
bar. Die Betriebssicherheit wird deshalb bisher durch umfangreiche Inspektionen und entsprechende Ausle-
gung der Bauteile gewährleistet.
Dank neuer SHM-Systeme lassen sich Kosten, Gewicht und Wartung reduzieren, Leichtbaustrukturen können
so ihre Vorzüge noch stärker ausspielen. Selbstdiagnose verkürzt Stillstandzeiten und Gewichtsreduktion senkt
den Treibstoffverbrauch. Die kontinuierliche Überwachung der Flugzeughülle, auch in schwer zugänglichen Be-
reichen, verringert den Inspektionsaufwand. Als Messwertaufnehmer dienen u. a. elektrische und optische
Dehnungsmessstreifen sowie Piezofasermodule und Beschleunigungsaufnehmer.
Bei der Integration verschiedener Sensortechnologien in die Fertigung von Flugzeugstrukturen arbeitet das Fraun-
hofer LBF interdisziplinär und intensiv mit Unternehmen der Sensortechnik und der Verbundwerkstoffherstellung
zusammen. Den strukturellen Teil des in Stuttgart gezeigten Flügels baute das Fraunhofer LBF gemeinsam mit
der Hochschule Darmstadt, unterstützt von Evonik Röhm, Saertex und Hexion. Sensoren im Inneren des Flügels
messen die strukturellen Belastungen. Dazu wurden bei seiner Herstellung acht Piezo-Module des Fraunhofer
LBF, 18 elektrische sowie 16 optische Belastungssensoren von HBM und Sensorbeschichtungen von Fujifilm
Prescale integriert. Die Belastung auf der Ober- und Unterseite des Flügels wird mit einer Rate von bis zu 200Hz
gemessen. Sobald die Daten die definierte Belastungsgrenze überschreiten, ertönt ein Alarmsignal. Eine Soft-
ware von HBM speichert und analysiert alle Daten der elektrischen und optischen Messungen.
Clean Sky JTI: Umweltfreundliche Technologie für die Luftfahrtindustrie
Die Strukturüberwachung wird auch innerhalb der „Clean Sky Joint Technology Initiative“ weiterentwickelt, die
Fliegen umweltfreundlicher machen will. Die „Clean Sky Joint Technology Initiative“ will die Belastungen der
Umwelt durch Lufttransporte deutlich verringern und gleichzeitig die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen
Luftfahrtindustrie stärken.
Mit einem Budget von 1,6 Milliarden Euro ist es das größte europäische Forschungsprogramm zu diesem
Thema. Die Fraunhofer-Gesellschaft ist neben namhaften Industrieunternehmen einer der Partner der Initiative,
wobei sämtliche Aktivitäten der Fraunhofer-Institute vom Fraunhofer LBF in Darmstadt koordiniert werden.

Vier Meter langes Flügel-Mock-Up eines Leichtflugzeugs
aus Faserverbundwerkstoff mit integrierten Sensoren für
die Strukturüberwachung (SHM) im Flug.
Foto: Fraunhofer LBF

Sensor im Inneren des Flugzeugflügels
Foto: Ursula Raapke ©Fraunhofer LBF
Kontakt:
Anke Zeidler-Finsel
Fraunhofer-Institut für Betriebsfestigkeit
und Systemzuverlässigkeit LBF
Bartningstr. 47
64289 Darmstadt
Tel.: 06151 705-268
Fax: 06151 705-214
E-Mail: anke.zeidler-finsel@lbf.fraunhofer.de
www.lbf.fraunhofer.de
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